Forschungsprojekt

Heldengeschichten! Leseförderung durch Vorlesen an Leipziger Grundschulen

Projektleitung:
Prof. Dr. Susanne Riegler
Jun.-Prof. Dr. Johannes Mayer

Beschreibung:

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig führen Studierende im Rahmen ihrer Staatsexamensarbeit in Schulbibliotheken Leseförderprojekte durch. Im Zentrum steht zum einen das gemeinsame Erleben von Kinderliteratur in Vorlesesituationen (Leseförderbaustein „Miteinander hören“), zum anderen die Förderung des flüssigen Vorlesens für andere (Leseförderbaustein „Füreinander lesen“).

Die systematische Förderung von Lesekompetenz – oft pauschal mit dem schillernden Begriff der „Leseförderung“ bezeichnet – ist bekanntlich nicht dem Deutschunterricht vorbehalten, sondern ist zwingend auf die Kooperation mit schulischen und außerschulischen Partnern angewiesen. Einen spezifischen Ort der Leseförderung, wie ihn verschiedene Schulen als Teil ihres Leseförderprofils vorsehen, stellt die Schulbibliothek dar. Sie bietet auf der Ebene der Schule eine auf besondere Weise gestaltete Lernumgebung, die vielfältige Möglichkeiten zur Leseförderung bietet und sowohl während des Unterrichts als auch außerunterrichtlich (z. B. im Rahmen der Ganztagesangebote) genutzt werden kann.
In Leipzig existieren an immerhin neun Leipziger Grundschulen gut ausgestattete Schulbibliotheken, deren Arbeit ab dem Frühjahr 2017 in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig unterstützt wird. In einem ersten Schritt sollen im Rahmen eines Pilotprojektes zwei verschiedene Bausteine zur Leseförderung in Schulbibliotheken entwickelt und an ausgewählten Leipziger Grundschulen erprobt werden:

Baustein 1:
Miteinander hören: Förderung des literarischen Lesen durch Vorlesegespräche
(Betreuung: JProf. Dr. Johannes Mayer)
Das Hören literarischer Texte in Vorlesesituationen ermöglicht es Kindern von Anfang an, eigene literarische Erfahrungen zu machen und an der Poetik und Literarität teilzuhaben. Die fördernde Wirkung ergibt sich allerdings nicht allein aus dem Genuss des gemeinsamen Eintauchens in die fiktionale Welt, sondern auch aus der Entlastung der eigenen Lesefähigkeiten angesichts komplexer medial schriftsprachlicher Anforderungen und dem dialogischen Aushandeln von Bedeutung. Das Vorlesen ist dabei kollektives Ritual und didaktische Inszenierung zugleich. Durch die Gestaltung des Vorlesens als Gespräch oder theatrale Aufführung werden die Verstehensprozesse der Kinder interaktiv initiiert, gerahmt und begleitet sowie als kollektive Lernform reflektierbar gemacht.
Studierende, die am Baustein „Miteinander hören“ mitarbeiten, befassen sich mit der Planung, Durchführung und Auswertung von Vorlesegesprächen in Schulbibliotheken. Auf der Grundlage einer vertieften didaktischen Auseinandersetzung entwickeln sie ein in das Gesamtprojekt eingebundenes Konzept für das Vorlesen literarischer Texte, das sie selbst an Schulen erproben und empirisch auswerten.

Baustein 2:
Füreinander lesen: Förderung des flüssigen (Vor-)Lesens durch Lautleseverfahren
(Betreuung: Prof. Dr. Susanne Riegler)
Leseförderung zielt nicht nur auf den Aufbau und die Sicherung von Lesemotivation und Leselust, sondern ebenso auf die Verbesserung der sog. hierarchieniedrigen Leseleistungen. Neben dem Auf- und Ausbau basaler Lesefertigkeiten spielt hier insbesondere die Befähigung der Schüler zu einem „fluenten“, flüssigen Lesen eine wichtige Rolle, das sich durch eine gut automatisierte Worterkennung, eine hohe Lesegenauigkeit, eine hinreichende Lesegeschwindigkeit und die Fähigkeit zur angemessenen Sequenzierung von Sätzen auszeichnet. Für die Förderung von Leseflüssigkeit werden verschiedene Spielarten sog. Lautleseverfahren vorgeschlagen, die das wiederholte (Laut-)Lesen eines Textes mit Formen des „assisted reading“ kombinieren.
Im Baustein „Füreinander lesen“ geht es darum, das Vorlesen ausgewählter literarischer Texte mit Schülerinnen und Schülern für eine Audioaufnahme und/oder einen gemeinsam gestalteten Vorlesetag gezielt vorzubereiten und einzuüben. Studierende, die an diesem Baustein mitarbeiten, befassen sich mit der Planung, Durchführung und Auswertung von entsprechenden Förder- und Unterstützungsmaßnahmen, die – je nach Lernvoraussetzungen und Förderbedarfen der Schülerinnen und Schüler – in Form einer Einzel- oder Kleingruppenförderung in den Räumen der Schulbibliothek angeboten und umgesetzt werden.

Verbunden sind die beiden Leseförderbausteine durch die Fokussierung auf das Vorlesen literarischer Texte, wobei zum einen das gemeinsame Rezipieren von Texten in sog. Vorlesegesprächen (Baustein 1), zum anderen die Förderung des flüssigen (Vor-)Lesens für andere (Baustein 2) im Zentrum steht. Zudem gibt es eine thematische Klammer, die beide Bausteine umschließt: „Heldengeschichten!“

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Illustration: Øyvind Torseter anlässlich der LUCHS-Preisverleihung am 22.03.2017 für "Super-Bruno" (Autor: Håkon Øvreås, Übersetzung: Angelika Kutsch, erschienen im Hanser Verlag). Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Illustrators.

Finanzierung:

Haushaltsinterne Finanzierung

Projektzeitraum:

01.10.2016 bis 30.11.2017


Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 12. Juli 2017 16:41