Forschungsprojekt

Rechtschreiben erforschen. Erprobung und Evaluation eines strukturorientierten Zugangs zur Schriftsprache in Klasse 3

Projektleitung:
Prof. Dr. Susanne Riegler

Mitarbeiter/innen:
Marcus Prade

Beschreibung:

Vielen Kindern gelingt es derzeit nicht, bis zum Ende der Grundschulzeit hinreichende orthographische Kompetenzen zu erwerben. Die Notwendigkeit eines „anderen“ Rechtschreibunterrichts wird daher zunehmend sowohl gesellschaftlich wie auch in der Forschungsgemeinschaft der Deutschdidaktik diskutiert. Hierbei nehmen die Lehrerinnen und Lehrer als didaktische Ausgestalter des Rechtschreibunterrichts in der Grundschule eine zentrale Rolle ein, die es sowohl anzuerkennen als auch zu unterstützen gilt.

Astrid Müller, Professorin für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Hamburg, betont die Vielzahl „von Veröffentlichungen zur Rechtschreibung und zum Rechtschreiblernen, die überzeugend zeig[t], dass die deutsche Orthographie in ihrem Kernbereich von hoher Systematik geprägt ist, die als Grundlage für eine sach- und lernergerechte Thematisierung im Rechtschreibunterricht dienen kann“ (Müller 2010, S. 6). Als sprachwissenschaftliche Grundlage für diese rechtschreibdidaktischen Ansätze dient die Graphematik, „die sich mit den Strukturen und Regularitäten des Schriftsystems beschäftigt und zeigt, dass Schrift keine aufgeschriebene Sprache ist, sondern eigenen, von der gesprochenen Sprache relativ unabhängigen Gesetzmäßigkeiten folgt“ (ebd.).

Das Projekt verfolgt das Ziel, diesen strukturorientierten Zugang zur Schriftsprache und dessen didaktische Umsetzung in Kooperation mit einer Lehrerin an der Leipziger Pablo-Neruda-Grundschule umzusetzen. Von Beginn des dritten Schuljahres an findet hierzu wöchentlich eine „Forscherstunde“ als Teil des Deutschunterrichts statt, die der sukzessiven Vermittlung der Regularitäten des Kernbereichs der deutschen Orthographie dient. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit dem Haus-Garagen-Modell nach Ursula Bredel (2010) und lernen dieses als Hilfe zur Überprüfung ihrer Schreibungen zu nutzen.

Hierbei interessiert einerseits das didaktische Vorgehen sowie die Modellierung des Unterrichtsgegenstandes vonseiten der Lehrperson. Da bisherige didaktisch-methodische Umsetzungen des strukturorientierten Ansatzes vor allem für die frühe Sekundarstufe vorliegen (vgl. z. B. Müller 2010, Bangel/Müller 2018), kann in diesem Zusammenhang ein Forschungsdesiderat im Primarbereich geltend gemacht werden. Die von der Lehrperson gestalteten Unterrichtsstunden werden mittels teilnehmender Beobachtung dokumentiert.

Um Rückschlüsse auf die Entwicklung des Rechtschreiblernens der Schülerinnen und Schüler ziehen zu können, wird andererseits ein besonderes Augenmerk auf den Lernprozess der Kinder gelegt. Ausgegangen wird von den Ergebnissen der Hamburger Schreibprobe zu Beginn des dritten Schuljahres und einigen zum gleichen Zeitpunkt verfassten freien Texten der Schülerinnen und Schüler. Im Schuljahresverlauf wird anschließend mittels einer selbst erstellten Schreibprobe die Lernentwicklung der Kinder dokumentiert. Zusätzlich werden mit ausgewählten Fokuskindern Interviews zu deren Schreibungen durchgeführt.

 

Literatur:

Bangel, Melanie; Müller, Astrid (2018): Wörtern und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft. Seelze: Kallmeyer/Klett.

Bredel, Ursula (2010): Der Schrift vertrauen. Wie Wörter und ihre Strukturen entdeckt werden können. In: Praxis Deutsch 37. Jg./H. 221 (2010), S. 14-21.

Müller, Astrid (2010): Rechtschreiben lernen. Die Schriftstruktur entdecken – Grundlagen und Übungsvorschläge. Seelze: Kallmeyer/Klett.

Finanzierung:

Haushaltfinanzierte Forschung

Projektzeitraum:

06.08.2018 bis 31.07.2019


Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 18. April 2019 13:07