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Aktuelle Dissertationsvorhaben des Arbeitsbereiches

Herausforderne Lernaufgaben und herausforderndes Verhalten. Förderungsorientierte Partizipation in technischen Gestaltungsprozessen des Primarbereichs

Fundamentale Forderungen nach einer Schule, die den Lernbedürfnissen von Schülerinnen und Schülern gerecht wird, scheinen allein durch die UN-Behindertenrechtskonvention nicht gedeckt (Riedel 2010, Online im Internet). Entscheidende Größe für gelingendes inklusives Lernen beschreibt Hattie (2013) durch die Freisetzung pädagogischer Qualität in Schule und Klasse, konkret durch die Wirksamkeit der Lehr-Lern-Situation (Hattie 2013, S. 34). Damit eröffnen sich für fachliches Lernen und Fachdidaktiken besondere Herausforderungen, aber auch Chancen. Herausforderungen, da sich besonders der inklusive Fachunterricht als wenig beforscht auszeichnet (Hackbarth/Martens 2018, S. 192), wobei dies Chancen bietet, mit innovativen Forschungsprojekten, die fachdidaktische Forschung voranzutreiben.  Die Etablierung einer inklusionsorientierten Fachdidaktik, die sich inklusiven Standards verpflichtet fühlt, realisiert eine Vermittlung zwischen der fachwissenschaftlichen Tendenz einerseits und Lerntheorien, (sonder-) pädagogischer Diagnostik und geeigneter Unterrichtsmethodik für heterogene Lerngruppen andererseits (Amrhein/Reich 2014, S. 38). Es geht dabei auch um einen Wandel zu einer grundlegenden Positivkonnotation von Diversität, Ressourcenorientierung und Empowerment (Fornefeld 2013, S. 9). Die fachdidaktische Ermöglichung einer Förderungsorientierten Partizipation aller Lernenden muss bedeuten, Lernsituationen zu etablieren, die qualitativ hochwertigen Unterricht dadurch wirksam werden lassen, dass neben einer Fachkompetenzentwicklung immanent die Entwicklung psychosozialer Kompetenzen ermöglicht wird (Hennemann 2019, S. 112). Um dabei auch besondere Problemlagen im Blick zu behalten, gilt es den psychosozialen Kompetenzerwerb zu konkretisieren. Aktuell finden sich unter dem Schwerpunkt Forschen und Gestalten im Elementar- und Primarbereich (=FUGIPE) im Fachbereich Grundschuldidaktik Werken am Universitätsstandort Leipzig zwei Forschungsprojekte wieder. Zum einen wird der Vorschul- und Primarbereich technischer Bildung synergetisch betrachtet, indem das Aufgabenformat Erfinder*innenatelier (Steinmann et al. in Vorbereitung) mit Vorschul- und Grundschulkindern der ersten Klasse in integrativen Settings zu zwei Zeitpunkten theoretisch-intendiert erprobt und im Hinblick auf theoretische Implementierungen überprüft wird. Neben dem Fokus der förderungsorientierten Partizipation[1] und der Fachkompetenzentwicklung stehen Lernverläufe, Wirksamkeiten von Lernumgebungsgestaltungen und Effekte im Hinblick auf Kreativitäts- und Selbstwirksamkeitsförderung im Forschungsmittelpunkt. Erste Ergebnisse zeigen positive Effekte und tragen damit sehr eindrücklich zu fachtheoretischen Weiterentwicklungen und Umdenkprozessen bei (Steinmann 2019, S. 113). Es ergeben sich fachdidaktische Schwerpunktsetzungen und Prinzipien, die eine förderungsorientierte Partizipation (FOP) anvisieren und umzusetzen versuchen (ebd.):

Eine förderungsorientierte Kompetenzentwicklung schafft individuelle Zugänge und Orientierungen. Es eröffnen sich subjektbezogene Ausgestaltungsfreiräume für individuelle Förderbedarfe und Lernzugänge. Ziel dieses ressourcenorientierten Lernverständnisses muss konsequent eine (individuelle) Lernprozessförderung und damit eine förderungsorientierte Beurteilung mit dem Ziel der persönlichen Exzellenz sein. Lernumgebungen für technisches

Gestalten im Primarbereich müssen Lernaufgaben fokussieren, die das Prinzip des „Beurteilens und Förderns“ (Stuber et al. 2012, S. 19) berücksichtigen. Ein produktiver Umgang mit vielfältig herausfordernden Lernausgangslagen und die Annahme der Lernenden als aktiv-selbstwirksame Subjekte, deren Selbstvertrauen und Sozialkompetenz förderbar ist, schafft gute Ausgangsbedingungen für technisch-inklusives Lernen für alle Schüler*innen und deren Persönlichkeitsentwicklung.

[1] Eine förderungsorientierte Partizipation soll als die Schaffung von Lernsituationen, die für alle Kinder neben einer Fachkompetenzentwicklung immanent gegenseitige Wertschätzung zur Stabilisierung des Selbstwertes ermöglichen und gleichsam kooperativ-kommunikatives Handeln für alle Kinder fördern, verstanden werden (vgl. Steinmann 2019).

Referenzen

  • Amrhein/Reich (2014): Inklusive Fachdidaktik. In: Amrhein/Dziak-Mahler (Hg.): Fachdidaktik inklusiv. Auf der Suche nach didaktischen Leitlinien für den Umgang mit Vielfalt in der Schule. Göttingen: Waxmann Verlag, S. 31-44.
  • Fornefeld (2013): Einführung. In: Fornefeld (Hg.): Menschen mit komplexer Behinderung. Selbstverständnis und Aufgaben der Behindertenpädagogik. München: Reinhardt Verlag, S. 9-13. Ausgabe. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Hennemann/Ricking/Huber (2015): Organisationsformen inklusiver Förderung im Bereich emotionaler und sozialer Entwicklung. In: Stein/Müller (Hrsg.): Inklusion im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Stuttgart: Kohlhammer, S. 110-143.
  • Lange-Schubert/Rothkopf (2017): Naturwissenschaftliches Lehren und Lernen. In: Hartinger/Lange-Schubert (Hg.): Sachunterricht. Didaktik für die Grundschule. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen, S. 38–62.
  • Steinmann (2019): Individuelle Lernausgangslagen in technischen Gestaltungsprozessen des Elementar- und Primarbereichs – Förderungsorientierte Partizipation durch geeignete Aufgabenformate? In: Pech/Schomaker/Simon (Hg.): Inklusion im Sachunterricht. Perspektiven der Forschung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 113-128
  • Steinmann/Bauer/Lange-Schubert (in Vorbereitung): „Überwindung von Dunkelheit“ – Forschen und Gestalten in Erfinder*innenateliers zum Thema Schwachstrom. In: MÖLLER/TENBERGE/BOHRMANN (Hg.) Begleitband des Perspektivrahmen Sachunterricht. Die technische Perspektive konkret. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.
  • STUBER & KOLLEGEN (2012): Werkweiser 2: Handbuch für Lehrpersonen für technisches und textiles Gestalten. 3. - 6. Schuljahr. Bern: Schulverlag 

Körperbasierte Zugangsweisen in einem inklusivem technischem Unterricht in der Grundschule

Die Lebenswelt von Lernenden ist vermehrt durch den passiven Gebrauch im Umgang mit technischen Artefakten (Beinbrech 2017, S. 123) und durch das Erleben und Beobachten von naturwissenschaftlichen Phänomenen (Lange-Schubert/Rothkopf 2017, 38f.) gekennzeichnet, weshalb dem (Sach-)Unterricht die Aufgabe zukommt, Kinder darin zu befähigen, die  Lebenswelt zu verstehen (GDSU 2013, S. 9). Bezogen auf die Realisierung der Zielstellung in einem Unterricht bei Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Lernbedürfnissen, zeigt sich in der Sachunterrichtsdidaktik eine Forschungslücke (Lange-Schubert/Tretter 2017, S. 287). Somit stellt sich die Frage, wie eine Lernumgebung in einem inklusiv-naturwissenschaftlich-technischen Sachunterricht gestaltet werden muss, um Verstehensprozesse bei Lernenden zu erzeugen? Besonderes Potenzial wird körperbasierten Zugangsweisen beigemessen, wenngleich dazu keine Belege der Effektivität vorliegen (Lange-Schubert/Tretter 2017, S. 287). Aufbauend auf dem Verständnis, dass körperbasierte Zugangsweisen Lerngelegenheiten meinen, bei denen Schülerinnen und Schüler den Lerngegenstand durch körpereigene Analysatoren wahrnehmen können, soll mit dem Forschungsansatz Design-Based-Research eine Lernumgebung (mit körperbasierten Zugangsweisen) entwickelt und evaluiert werden, um abschließend die Wirksamkeit körperbasierter Zugangsweisen zu belegen. Mittels einer Erhebung der Wissensbestände von Lernenden vor und nach dem Unterricht, sowie mit Kontroll- und Experimentalgruppen, werden ableitend aus den Ergebnissen, weitere Gestaltungsprinzipien für inklusiv-naturwissenschaftlich-technische Lernumgebungen generiert.

 

Literatur

  • Beinbrech (2017): Technisches Lehren und Lernen. In: Hartinger/Lange-Schubert (Hg.): Sachunterricht. Didaktik für die Grundschule. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen, S. 122–137.
  • GDSU (2013): Perspektivrahmen Sachunterricht. Vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Lange-Schubert/Rothkopf (2017): Naturwissenschaftliches Lehren und Lernen. In: Hartinger/Lange-Schubert (Hg.): Sachunterricht. Didaktik für die Grundschule. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen, S. 38–62.
  • Lange-Schubert/Tretter (2017): Inklusives Lernen im naturwissenschaftlichen Sachunterricht. Vom guten Unterricht in heterogenen Lerngruppen. In: Hellmich/Blumberg (Hg.): Inklusiver Unterricht in der Grundschule. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, S. 268–293.

Digitale Bildung in technischen Gestaltungsprozessen des Primarbereichs

Digitale Bildung wird auf Grund der aktuell und weiterhin zunehmenden Präsenz digitaler Medien und Technologien in der Lebenswelt von Schüler*innen aus vielen Fachperspektiven heraus diskutiert. Umgekehrt werden ebenso viele Fächer hinsichtlich ihrer Potenziale und Möglichkeiten überprüft, um digitale Bildung entsprechend ihrer Fachdidaktik adäquat einzubinden. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Passung zwischen digitaler Bildung und dem Fach Werken als technisches Gestalten herauszustellen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den digitalen Medien und Technologien und ihrer Rolle und Funktion als Gestaltungsmittel und Werkzeuge. Außerdem sollen Zusammenhänge des Einsatzes digitaler Werkzeuge in Problemlöseprozessen mit der Entwicklung kreativer Problemlösekompetenz  untersucht werden. Der Forschungsansatz des Design-Based Research kann dabei rahmende Grundlage sein, um für die Bildungspraxis relevante und zugängliche Befunde zu generieren.

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